Bauen und Wohnen im Zeichen der Permakultur - Erkenntnisse aus dem Podium Permakultur & Architektur



Welchen Kriterien sollte ein Permakultur-Haus genügen? Aus welchen Materialen ist es gebaut, wie beheizt man es und wie gestalten sich die sozialen Systeme? Diesen und weiteren Fragen ging das Planofuturo-Podium «Architektur und Permakultur» vom 14. Dezember 2021 nach.


Diskutiert haben unter der Leitung von Anton Küchler Beat Rölli und Wouter Homs. Anton Küchler ist Permakultur-Designer und dipl. Umweltwissenschaften ETH, hat das Projekt TruberHolz mitinitiiert und ist als Präsident der Wohngenossenschaft SonnHas aktiv in ein permkulturelles Bauprojekt involviert. Wouter Homs ist Architekt und Lehm-Bauer, Permakultur-Designer Beat Rölli ist Bauherr des wasserautarken Bauernhauses Chuderboden und verantwortlich für den dortigen Permakultur-Landwirtschaftsbetrieb.


Tatjana Nebel, Permakultur-Design-Studentin im Lernfeld von Planofuturo, hat die wichtigsten Erkenntnisse und Aussagen aus dem Podium zusammengetragen. Diese können am Schluss des Beitrags als pdf heruntergeladen werden.


Wann ist ein Haus ein Permakultur-Haus? Die Baubiologie ist zu erfüllen und das Haus sollte nach einem ökosystemischen Ansatz entworfen und ein gesundes und nachhaltiges Haus sein. Gleichzeitig soll es so günstig wie möglich gebaut werden, aber eben mit möglichst hohen ökologischen Standards. Dies ist noch besser möglich, indem nicht ein einzelnes Haus, sondern eine Ökosiedlung geplant wird. So wird der Wohnbereich zusammen mit den anderen Lebens- und Ernährungsbereichen (Garten, Landwirtschaft) durchgedacht, damit ein möglichst sinnvolles System entsteht, das Kosten reduziert und Mehrwerte kreiert.

Kann man auch günstig «Öko» bauen? Ist ein Permakultur-Haus ökonomisch konkurrenzfähig mit «konventionellen» Bauten?

Es hängt davon ab, wie gerechnet wird. Wenn jemand viel in Eigenleistung umsetzen kann, muss kein Geld verfügbar sein, sondern die Zeit und das Wissen der Beteiligten (des Baukollektivs oder der Baugemeinschaft). So können die monetären Kosten reduziert werden. Ökologisches Bauen ist heute noch rar und etwa 10-20% teurer als konventionelles Bauen. Wenn man bei einer Vollkostenrechnung zusätzlich die Gesundheit der Bewohnenden, ihre daraus resultierende Leistungsfähigkeit und die langfristige Nutzung des Hauses sowie die Wiederverwendbarkeit der Materialien mit einbezieht, dann sieht die Bilanz zwischen ökologischem und konventionellem Bauen anders aus. Generell ist bei der Berechnung, der Planung und dem Denken ein noch zu kurzfristiger Horizont gesetzt. Um Kosten zu senken, kann ein eigenes Bauteam die Lösung sein, zusammen mit einem gut durchdachten Design entsteht ein grosser Mehrwert. Die Kosten werden zudem stark von den Bedürfnissen der BauherrInnen geprägt: was ist ihnen wichtig und auf was könnten sie verzichten? Braucht es den Keller, wenn er lediglich aus Lager- und Heizungsraum bestehen wird? Reicht weniger Platz aus, dafür gibt es eine günstige Dämmung mit Strohballen? Oder reicht eine weniger detaillierte Planung, um das Architektenhonorar geringer zu halten.


Aus welchen Materialien ist ein Permakultur-Haus gebaut?

Die magische Permakultur-Formel heisst: Holz +Stroh + Lehm + Kalk. Da es sich um Naturprodukte handelt, haben sie keine schädlichen Effekte auf die Gesundheit und sie ergänzen sich gut. Beim Strohballen-Element-Haus fällt das Preis-Leistungs-Verhältnis im Vergleich am besten aus. Werner Schmidt hat schon viel Erfahrung beim Bauen von lasttragenden Strohballenhäusern in der Schweiz.


Nach welchen Kriterien werden die ökologischen Materialien ausgewählt?

Bei der Wahl der Materialien werden Kosten, der Impact auf die Gesundheit, die Technik-Intensität, der ökologische Fussabdruck und die Distanz zur Baustelle abgewogen. Die Bewertung der Baumaterialien ist ein sehr umfangreiches Gebiet. Es lohnt sich, bei Fachleuten nachzufragen und gesunden Menschenverstand anzuwenden. Auf Regionalität sollte geachtet werden, ob z.B. Aushub von einer anderen Baustelle in der Nähe gerade verfügbar wäre.


Wie lebt man in einem Permakultur-Haus?

Die BewohnerInnen sollen gemeinsam darüber entscheiden, wie im Permakultur-Haus gelebt wird, also welche Permakultur-Prinzipien im Fokus stehen im Fokus und welches die Bedürfnisse der Bewohnenden sind. In einer Genossenschaft ist es zum Beispiel wichtig, dass die BewohnerInnen selbst bestimmen können, wie das Zusammenleben aussehen soll. Dafür sollte der Wohnraum Platz bieten; und Flexibilität, falls sich Bedürfnisse ändern. Ein Haus könnte so geplant werden, dass die Wohnungen umgestaltbar sind, aus zwei Wohnungen wird eine. Oder die planende Architektin könnte sich als «Gemeinschaftsarchitektin» einbringen und co-kreativ mit den BewohnerInnen den Bau entwickeln und umsetzen.


Gibt es sinnvolle Heizsysteme?

Ein Konzept, das auf dem Untergrundhof in Emmen gut funktioniert, sind passiv-solare Bauten mit Holzheizung. Das Haus sollte nach Süden ausgerichtet sein und mittels grosser Glasfronten erlauben, im Winter Wärme hereinzuholen. Mit passender Beschattung wiederum wird das Haus im Sommer kühl gehalten. Auch eine gute Isolation kann als Heizung eingesetzt werden, zum Beispiel 80-100cm dicke Strohwände. Zusätzlich dient ein Holzofen als Backup für die kältesten Wintertage.


Wie übernehmen alle ihre Verantwortung in einem Permakultur-Haus?

Wenn sich eigene Erfahrungen mit dem Ort verbinden, an ihm haften bleiben, dann wächst er einem ein Stück ans Herz. Durch emotionale Verbindung wird Verantwortung eher übernommen. Cash ist bekanntlich ein guter Motivator, indem z.B. kleinere Reparaturen von den MieterInnen selbst bezahlt werden, damit alle sorgsamer im Umgang sind.

Generell ist es die Aufgabe einer Permakultur-Designerin, die Beziehungen zwischen den Menschen und dem Ort zu gestalten. Die Herausforderung besteht darin, im Gestaltungsprozess das ökologische System und das soziale System parallel zu planen.



Podium Permakultur und Architektur - Zusammenfassung
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