Siedlungs-genossenschaft Sunnige Hof (ZH)

2016 hat Planofuturo für die Stadtzürcher Siedlungsgenossen-schaft Sunnige Hof im Rahmen der Vision «Urbane AgriKultur» ein Biodiversitätskonzept mit einem Arten- und Lebensraum-förderungsprogramm erarbeitet. Ab 2019 wird dieses Konzept mit gezielten Massnahmen in den  Siedlungen Mattenhof, Hohmoos und Else Züblin schrittweise umgesetzt.

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Planskizze zur Förderung der Biodiversität in der Stadtzürcher Siedlungsgenossenschaft Sunnige Hof.

Sunnige Hof
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Ausgangslage & Zielsetzung: WIN WIN WIN

Ziel der Arten- und Lebensraumförderung in der Stadtzürcher Siedlungsgenossenschaft Sunnige Hof ist, eine Win-Win-Win-Situation für die Natur, die Bewohner und Bewohnerinnen der Siedlungen und die Verwaltung des Sunnige Hof zu schaffen. Beim Planen, beim Bauen und im Unterhalt der Aussenräume werden ökologisch positive Wirkungen (WIN!) erzielt, die zu einer Steigerung der Lebensqualität in den Siedlungen (WIN!) führen und das Image der Genossenschaft in Bezug auf Ökologie und Nachhaltigkeit positiv beeinflussen (WIN!). Die vorgeschlagenen Massnahmen basieren auf dem Arten- und Lebensraumförderungskonzept, das Planofuturo 2016 für den Sunnige Hof erarbeitet hat.

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Stein- und Asthaufen bieten Wildtieren strukturreiche Lebensräume innerhalb der Siedlungen.

Vision: Trittsteinbiotope und Vernetzungsachsen

Mit den Massnahmen zur Arten- und Lebensraum-förderung sollen die Aussenräume der Siedlungen Else Züblin, Mattenhof und Hohmoos mit den bestehenden Naturräumen und Vernetzungsachsen verbunden werden. Es sollen Trittsteinbiotope entstehen, die für Wildtiere als Lebensräume, Unterschlupf oder für die Nahrungsaufnahme geeignet sind. Auch wenn diese Biotope keine dauerhaften Populationen beherbergen können, gewährleisten sie zusammen mit linearen Korridoren die Durchlässigkeit der Siedlungslandschaft und die Vernetzung der Lebensräume.

Ebenfalls von Massnahmen profitieren sollen Insekten. In den Siedlungen soll das Nahrungsangebot durch die Förderung einheimischer Blütenpflanzen erhöht und Nist- und Überwinterungsmöglichkeiten entstehen. 

Neugestaltung: Hecken und Gehölzinseln, Stein- und Asthaufen, Frommentalwiese, Hochstaudenflur

Gehölzinseln vernetzen die Siedlungen des Sunnige Hof mit den ökologischen Vernetzungsachsen. Über diese Verbindungen wandern Wildtiere im Schutz der Gehölze in die Siedlungen ein. Gehölzinseln bestehen aus einem grösser wachsenden Gehölz und einem niedrigen Exemplar wie Beeren oder Rosen sowie allenfalls einer Staudenmischung als Unterbepflanzung.

Mit den Ast- und Steinhaufen werden innerhalb der Siedlungen strukturreiche Lebensräume für Wildtiere geschaffen. Reptilien (zum Beispiel Eidechsen) und Klein-säuger (zum Beispiel Igel) werden gefördert, indem in den Zwischenräumen der Ast- und Steinhaufen Nistplätze entstehen. Wildbienen und andere Insekten finden im Sand, Kies oder Lehm Nistplätze und -material.

Durch die Anlage von Fromentalwiesen werden Nahrungsquellen und Lebensräume für Insekten geschaffen. Die Fromentalwiese war bis vor rund 50 Jahren der am weitesten verbreitete Wiesentyp. Sie ist eine gedüngte Fettwiese und war die Hauptfutterquelle für das Vieh. Gleichzeitig zeichnet sie sich durch eine hohe Artenvielfalt aus. Der Rückgang der Fromentalwiese und ihr Ersatz durch die viel artenärmere Kunstwiesen hat zu einem grossen Verlust an Biodiversität in den landwirtschaftlich genutzten Landschaften geführt.

Hochstaudenfluren beeindrucken durch ihre Üppigkeit und erfreuen das Auge mit einer Vielfalt von farbigen Blüten. Entscheidend für ihre ökologische Qualität ist aber auch, dass immer mindestens ein Teil der Hochstaudenflur im Winter stehen bleibt. Was etwas unaufgeräumt aussieht, ist ganz wichtig für viele Insektenlarven, die in den hohlen Stängeln überwintern. Auch Vögel nutzen im Winter die Samen als Nahrung. Mit einer Hochstaudenflur entstehen in den Siedlungen Futterquellen für Insekten und Vögel und Überwinterungsplätze für Insektenlarven.

Der permakulturelle Ansatz: Nutze und Schätze Vielfalt

Städte sind schon heute Lebensräume mit einer hohen Biodiversität. Durch eine ökologisch inspirierte Gestaltung der Aussenräume von Wohnsiedlungen können die bestehenden Naturräume ausgeweitet und vernetzt werden. So stehen mehr Futter- und Nistmöglichkeiten für Insekten, Kleinsäuger und andere Lebewesen zur Verfügung und es kann etwas gegen das wachsende Insektensterben unternommen werden.

 

Grosse Siedlungsgenossenschaften wie der Sunnige Hof in Zürich sind Leuchturmprojekte und dienen als Inspirationsquelle. Beim GärtnerInnen-Team der drei Siedlungen hat über die Jahre ein Umdenken statt-gefunden, von jahrzehntelanger Intensivpflege zum naturnahen Gärtnern. Voller Überzeugung tasten sich die Profis Schritt für Schritt mit immer neuen Projekten an einen naturnahen und die Biodiversität fördernden Aussenraum heran. Neben der gärtnerischen Arbeit gehören auch die Sensibilisierung und der Austausch mit den BewohnerInnen zu ihren Aufgaben. Permakultur-DesignerInnen schliesslich können solche Projekte nutzen, um Unsicherheiten bezüglich Akzeptanz, Unterhalt und Kosten bei ökologischen Aufwertungen im Siedlungsraum zu begegnen.

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Mehr Nahrung für Wildtiere im Siedlungsraum. Die Aufwertung des Sunnige Hof ist ein Leuchtturmprojekt.